Beim Heaslan- oder Pfoasn-Strickworkshop

pfoasnAls ich las, dass in Partenkirchen ein Heaslan- oder Pfoasn-Strickworkshop stattfindet, dachte ich gleich, das ist was für mich. Schließlich habe ich noch nicht ausgelernt und Entrelac, bzw. das Flechtmuster hatte ich schon länger auf dem Plan. Es machte mich neugierig diese Wadenstrümpfe, mit dem typischen Rautenmuster, zu lernen. So meldete ich mich gleich bei einer freundlichen Mitarbeiterin in der Partenkirchner Bücherei, in der der Strickworkshop stattfinden sollte, an.

Und so machte ich mich dann auf den Weg. Der Workshop ging über fünf Abende. Es war eine gemütliche Runde von circa ein Dutzend Frauen aus der Region. Alle mit dem Ziel ihren Männern und/oder Söhnen ein Paar Festtagspfoasn zu stricken. Man ist sich einig: Handgestrickte Strümpfe oder Wadenstrümpfe machen die Tracht vollkommen und gehören dazu.

So erfahre ich, dass „Mann“ die Heaslan in Garmisch traditionell im Werdenfelser grün/grau und rundherum die Pfoasn im Werdenfelser grün/rohweiß zu seiner Festtagstracht trägt.

Und auch wenn ich aus München kommend, in blau/weiß strickte, wurde ich freundlich aufgenommen. In München kann man schließlich alles tragen. 😉

In und um Garmisch herum haben sich die Wadenstrümpfe im letzten Jahrhundert in dieser Form durchgesetzt. Zuvor gab es eine Vielfalt an Loferl, die heute noch als Alltagsstrümpfe getragen werden. Mit den Loferl wird die Zugehörigkeit im Verein gezeigt, was man immer wieder bei den traditionellen Trachtenumzügen sehen kann. Und die Strümpfe gehören nun mal handgetrickt, bzw. sind maschinell gar nicht möglich. Schon allein, wenn man an die Liebe denkt, die da mit hinein gestrickt wird.

Veronika, die Kursleiterin hatte nach alten Überlieferungen die Anleitung zu den Pfoasn erarbeitet, geschrieben und für uns zugänglich gemacht. Es ist ein sehr schönes Modell mit unterschiedlichen Größen für Männer und Kinder geworden.

An den ersten beiden Abenden wurde der Umschlag und die Mausezähnchen gestrickt. Veronika erklärte alles sehr geduldig und nahm sich Zeit für jede Strickerin. Ab dem dritten Abend ging es dann ans Entrelac. Ich war schon ganz gespannt und etwas Übung machte das Muster von Mal zu Mal besser.

Am Ende jeden Abends gab es eine Kopie der handschriftlichen Anleitung. So werden die Muster heute noch von Stricker_in zu Stricker_in überliefert.

Ein Gedanke zu „Beim Heaslan- oder Pfoasn-Strickworkshop

  1. Ingrid

    Liebe Sylvia,

    Vielen Dank für diese gut verständliche Beschreibung einer bayerischen Tradition, die mir als Münchnerin bisher unbekannt geblieben ist.
    Ich war in meiner Kindheit und Jugend in Münchens Umgebung eher sportlich unterwegs.
    Meine Eltern brachten mir das Skifahren, Schlittschuhlaufen, Radeln, Bergwandern, Schwimmen und in Ansätzen das Kayakfahren bei.
    Nur bei Sauwetter musste ich mit meinen Schwestern zum Sonntagsgottesdienst.
    Das Handarbeiten war zwar immer auch wichtig, aber meine kleine Schwester und meine Mami konnten schon immer besser nähen und ich war immer mehr so erfinderisch und tendenziell künstlerrisch am Werk.

    Bis bald
    Deine Ingrid

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *